Dr. med. Edmund Edelmann

Dr. med. Edmund Edelmann
1. Vorsitzender des Berufsverbands Deutscher Rheumatologen, BdRh

Integrierte Versorgung für eine bessere Behandlung

Die ambulante rheumatologische Versorgung in Deutschland wird von niedergelassenen internistischen Rheumatologen (n=557), von ermächtigten Rheuma-Ambulanzen (n=116), von Rheuma-Ambulanzen nach §116b (n=43) und von Universitätsambulanzen getragen. Die Gesamtzahl von ca. 830 ambulant tätigen internistischen Rheumatologen reicht nicht aus, um den Versorgungsbedarf zu decken. Zu lange Wartezeiten auf einen Termin beim Rheumatologen sind die Folge. Diagnosestatistiken der Kassenärztlichen Bundesvereinigung mit einer hohen Zahl an als gesichert codierten Diagnosen für z.B. die Rheumatoide Arthritis (n= 688.000 im 4. Quartal 2012,) lassen einen höheren Versorgungsbedarf erwarten, als bisher angenommen.

Im weltweiten Vergleich mit 8 großen Industrienationen liegt Deutschland mit der Zahl an berufstätigen Rheumatologen (n= 1021 im Jahre 2014) im mittleren Bereich. Versorgungsdefizite in der rheumatologischen Versorgung sind damit ein internationales Problem. Wege zur Verbesserung in Deutschland können Selektivverträge nach § 140a (Integrierte Versorgung) und die Ambulante Spezialfachärztliche Versorgung sein. Beide Vertragsformen beinhalten einen Wegfall der versorgungsfeindlichen Begrenzung der Patientenversorgung des KV-Systems.

Die Integrierten Versorgungverträge ermöglichen eine strukturierte, qualitätsorientierte und bessere, kooperativ angelegte Arbeitsteilung zwischen Rheumatologen und Hausärzten, die erleichterte Auswahl einer kompetenten stationären Behandlung in einer Rheuma-Abteilung und eine qualifizierte Einbindung der Rheumatologischen Fachassistenz zur Entlastung des Rheumatologen.

Entsprechende Selektivverträge wurden inzwischen in Bayern und Nordrhein mit der Techniker Krankenkasse und in Hessen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen mit der BARMER GEK geschlossen. Diese Verträge gewährleisten eine frühzeitige Überweisung durch den Hausarzt und einen Termin innerhalb von 14 Tagen beim Rheumatologen bei Erstmanifestation einer entzündlichen Rheumaform. Ziel der Verhandlungspartner (Versorgungslandschaft Rheuma GmbH für die Hausärzte und Rheumatologen auf der einen Seite und der Krankenkassen TK und BARMER GEK auf der anderen Seite) ist es die Verträge auf das gesamte Bundesgebiet auszudehnen. Verhandlungen mit anderen Krankenkassen sind im Gang.

Mit dem Ziel die Arzneimittelversorgung der hoch wirksamen, aber teuren Biologika zur Behandlung der chronischen Polyarthritis, der entzündlichen Wirbelsäulenerkrankungen (v.a. Morbus Bechterew) und der Psoriasisarthritis zu verbessern, wurde ein Vertrag zwischen dem BDRh und inzwischen ca. 40 verschiedenen Krankenkassen geschlossen. Es wurden Vorgaben vereinbart, die eine qualitätsorientierte, wirtschaftliche und Leitlinien-gerechte Biologika-Behandlung zum Ziel haben, die eine freie Wahl des Arzneimittels im Einzelfall nicht beeinträchtigen und die Rheumatologen vor einem Arzneimittelregress schützen. Am Vertrag nehmen die Rheumapatienten freiwillig teil und werden vorab informiert.

Die Ausführungsvorgaben für rheumatische Erkrankungen innerhalb der Ambulanten Spezialfachärztlichen Versorgung (ASV) sind derzeit noch in Verhandlung, sodass abgewartet werden muss, ob die Chance, die rheumatische Versorgung durch diese nicht budgetierte, sektorenübergreifende neue Versorgungsebene zu verbessern, auch gegeben sein wird.

Versorgungsverträge nach §140a und die ASV bieten insgesamt neue Chancen für eine deutliche und nachhaltige Verbesserung der Rheumaversorgung mit kürzeren Wartezeiten. Diese Chance werden wir gerne gemeinsam mit unseren Patienten nutzen.

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