Gernot Kiefer

Gernot Kiefer
Vorstand, GKV-Spitzenverband

Selbsthilfe fördern

Rheuma ist ein Thema, das die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) als Kostenträger für eine effektive, medizinische Versorgung an vielen Schnittstellen ihrer Arbeit bewegt.

Breites Leistungsspektrum für Rheuma-Patienten

Die Krankenkassen übernehmen im Rahmen ihrer Zuständigkeit nicht nur die für Rheuma-Patienten wichtigen Leistungen der Gesundheitsversorgung, sie verstehen sich auch als Partner der betroffenen Menschen. Krankenkassen bieten Hilfe und Unterstützung an, wenn Patienten auf der Suche nach einem Facharzt mit Schwerpunkt Rheumatologie sind oder auch eine spezielle Rehaklinik suchen. Darüber hinaus unterstützen Krankenkassen rheumatisch erkrankte Menschen durch Leistungen zur medizinischen Rehabilitation, um die Teilhabe am Leben in der Gemein-schaft zu sichern. Durch Leistungen des Rehabilitationssports und Funktionstrainings wird den Betroffenen zusätzlich ein Angebot zur Verfügung gestellt, durch das sie zu einem langfristigen, selbständigen und eigenverantwortlichen Bewegungstraining motiviert werden können.

Förderung der Rheuma-Selbsthilfe

Krankenkassen fördern zudem Rheuma-Selbsthilfegruppen und Selbsthilfeorganisationen, damit Rheuma-Kranken niedrigschwellige und bedarfsgerechte Angebote zur Verfügung stehen. Die von Krankenkassen seit vielen Jahren geleistete verlässliche Förderung hat die Entwicklung einer in Europa vorbildlichen Selbsthilfekultur ermöglicht, die für die betroffenen Menschen von besonde-rem Wert ist. Denn gegenseitige Hilfe und Unterstützung in einer Gruppe Gleichbetroffener sind für viele Rheumapatientinnen und Patienten ein wichtiger Weg aus der Isolation, der ihnen hilft, diese Erkrankung zu bewältigen und Lebensqualität zurückzugewinnen.

Wo liegen die Herausforderungen der Zukunft?

Innerhalb der vergangenen 15 Jahre hat sich die Behandlung insbesondere der mittelschweren und schweren Formen rheumatischer Erkrankungen durch die Einführung biotechnologisch her-gestellter Arzneimittel stark gewandelt. Auch für die Zukunft werden neue medikamentöse The-rapieoptionen erwartet. Im Rahmen der im Jahr 2011 vom Gesetzgeber eingeführten „Frühen Nut-zenbewertung von Arzneimitteln mit neuen Wirkstoffen“ wird der therapeutische Stellenwert neu auf den Markt kommender Präparate ermittelt, sodass diese dann zielgerichtet bei denjenigen Patientinnen und Patienten zum Einsatz gelangen können, für die sie einen Zusatznutzen gezeigt haben. Eine solche Bewertung hat für ein Arzneimittel zur Behandlung des Lupus erythematodes (dt. Schmetterlingsflechte), der zum rheumatischen Formenkreis gezählt wird, bereits stattgefun-den. Zurzeit durchläuft ein neues Präparat zur Therapie der Psoriasis arthritis, einer entzündli-chen Gelenkerkrankung, die bei Patienten mit Schuppenflechte auftritt, das Bewertungsverfahren. Bedauerlicherweise wurde die zunächst im Gesetz vorgesehene Bewertung bereits im Markt befindlicher Arzneimittel („Bestandsmarkt“) wieder gestrichen, sodass die therapeutische Relevanz der zahlreichen vor 2011 eingeführten Präparate zur Behandlung von Rheuma nicht abschließend geklärt ist.

Der GKV-Spitzenverband wird sich auch in Zukunft dafür einsetzen, dass jede Rheumapatientin und jeder Rheumapatient eine passgenaue, hochwertige und sichere Behandlung mit solchen Arzneimitteln erhält, deren therapeutischer Nutzen für den jeweilige Patientin bzw. den jeweiligen Patienten klar belegt ist.

Bei der Behandlung mangelt es oft nicht an spezialisierten Ärzten. Das Problem liegt vielmehr häufig in der fehlenden Kooperation von Hausarzt, Facharzt und anderen Beteiligten. Die bereits heute qualifizierte fachärztliche Betreuung von Rheumapatienten wird künftig durch die Möglichkeiten im Rahmen des § 116 b SGB V (sektorübergreifende Versorgung im Team) noch deutlich erweitert und verstärkt. Uns erscheint wichtig, dass diese Versorgungsform v. a. Patienten mit schweren Verlaufsformen zu Gute kommt.

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