Josef Röper
Partner in der Ärzteausbildung

Dr. rer. nat. Josef Röper, Jahrgang 1954, Diplom-Chemiker in Altersteilzeit, Beisitzer im Vorstand der Rheuma-Liga Baden-Württemberg, Patient Partner in der Rheumatologenausbildung, Trainer im Selbstmanagementprogramm für Rheumakranke.

»Es gibt viel zu wenige Rheumatologen hierzulande. Dagegen tue ich etwas.«

Es kam über Nacht, mit sehr starken Schmerzen in den Knien. Und ich habe gewartet, und dann gingen die Schmerzen auch wieder weg. Und ich dachte, das käme vom Basketball oder vom Fussball, ich hätte mir nur etwas verknackst.

Ich hatte ein gutes Jahr Ruhe. Dann kam es so schmerzhaft wieder, dass ich erst zum Orthopäden ging, danach war ich beim Internisten, und der sagte: Ja, das könnte Rheuma sein.

»Ich hatte drei Diagnosen: von Morbus Bechterew über Morbus Reiter, bis meine rheumatoide Arthritis festgestellt wurde.«

Und mit dieser Diagnose und noch mehr Kortison, aber ohne Hilfe, wurde ich nach sechswöchigem Aufenthalt aus der Klinik entlassen, das war 1986.

Ich hatte wenig Auszeiten, trotz vieler Schübe. Ich war früher viel auf Dienstreisen in den USA. Da habe ich versucht, die wichtigen Termine auf den frühen Nachmittag zu legen, das ist die beste Zeit für den Rheumatiker. Manchmal musste ich mich allerdings auch morgens mit Kortison aus dem Bett schälen. Das war sehr hart.

Bewegung ist ein ganz essentieller Bestandteil in der Behandlung der rheumatoiden Arthritis. Normal neigt man ja eher dazu, seine Gelenke zu schonen. Dann besteht allerdings die Gefahr, dass die Gelenkbewegung dauerhaft eingeschränkt wird. Und es findet eine sogenannte ›Einsteifung‹ statt.

 

»Darum ist es extrem wichtig für den Rheumatiker, sich auch während des Schubes ständig zu bewegen.«

Radfahren, Spazieren, Schwimmen – ohne hohe Belastung. Das bieten wir auch in der Rheuma-Liga an, damit man beweglich bleibt.

Die Rheumatologie ist keine Gerätemedizin, sondern basiert überwiegend auf dem ärztlichen Gespräch. Vielleicht am Anfang ein Röntgenbild, aber sonst läuft viel über den Dialog mit dem Patienten.

Bei Rheuma spielen Frust und depressive Verstimmungen eine große Rolle. Da muss der Rheumatologe nicht nur medizinisch, sondern auch psychologisch versiert sein. Er ist ja der Hauptansprechpartner.

Deutschland hat einen Riesenmangel an internistischen Rheumatologen. Was dazu führt, dass Patienten auch in Akutfällen drei bis sechs Monate warten müssen. Oder dass auch viele telefonisch die Auskunft erhalten: Wir nehmen keine Patienten mehr auf.

Dagegen hat die Rheuma-Liga ein Modell entwickelt: Patientenpartner oder neudeutsch ›Patient Partners‹. Das Programm liegt mir sehr am Herzen.

»Ich sehe da eine große Chance, bereits in der Universität im Gespräch mit den Studenten Werbung für den Beruf des Rheumatologen zu machen.«

›Patient Partners‹ heisst, der Patient soll sich – das ist unser Ziel – auf Augenhöhe mit dem Mediziner unterhalten können. Dazu gehört, dass die Hausärzte und die Medizinstudenten an der Universität etwas mehr als den Lehrbuchstoff über die Krankheit erfahren. Sie erhalten also ihr Wissen aus erster Hand sozusagen.

 

»Die Studenten sagen oft: Ich interessiere mich mehr für Dermatologie, Gynäkologie oder Orthopädie.«

Sie wissen aber nicht, dass der Rheumatische Formenkreis so vielfältig ist. Dass nicht nur Gelenkschäden dazugehören, sondern auch ganz massive Hauterkrankungen, Augenprobleme oder Erkrankungen der inneren Organe.

Und wenn sie dann hören, dass Rheuma eigentlich alle anderen Ärzteberufe tangiert, dann sagen sie meist: Also, das hört sich jetzt aber wirklich spannend an!

Ja, Rheuma bewegt uns alle. Darunter verstehe ich auch einen gesellschaftlichen Auftrag, weil Rheuma mit Abstand die größte Volkskrankheit ist. Das ist den meisten Menschen nicht bewusst.

»Man sollte dahin kommen, dass man mit dem Thema Rheuma ungezwungen, aber respektvoll umgeht.«

Ich setze mich dafür ein, dass man mehr Verständnis für die Rheumakranken aufbringt und, wenn nötig, unterstützend wirkt.

Weitere Informationen zum Engagement von Norbert Röper unter www.rheuma-liga.de/projekte

 
Karen Baltruschat
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Dieter Wiek
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Marion Rink
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