Karen Baltruschat
Botschafterin aus Leidenschaft

Karen Baltruschat, Jahrgang 1991, lebt in der Nähe von Bremen, Angestellte im Öffentlichen Dienst, Mitglied im Kreis der Jungen Rheumatiker und Bundesjugendsprecherin der Deutschen Rheuma-Liga.

»Es geht ja keiner auf eine Party und sagt: Hey, ich habe Rheuma. Das ist kein Gesprächsthema.«

Karen Baltruschat ist öffentliche Aufmerksamkeit nicht fremd. Im Kreis der Jungen Rheumatiker hat sie sich schon an vielen Kampagnen beteiligt, um die »unbekannte Krankheit« publik zu machen. Beim Shooting berichtete sie begeistert von der Aktion »Rheuma, Ich zeig´s Dir«, die für ein besseres Verständnis rheumakranker Menschen wirbt.

Ich war, glaube ich, 9 oder 10, als das anfing. Da es schon früher Rheuma in unserer Familie gab, hat meine Mutter darauf gedrängt, das zu testen. Daraufhin bin ich zum Kinderrheumatologen gekommen, der hat dann die komplette Diagnose gemacht.

»Das ging relativ schnell. Obwohl: Das hat dann, glaube ich, doch ein Jahr gedauert.«

Ich bin manchmal launisch, aber überwiegend doch fröhlich. Und ich bin der Meinung, dass man mit Lachen viel bewegen kann im Leben. Die Krankheit hat zwar schlechte Seiten – und ich habe auch mal einen schlechten Tag, definitiv. Aber je fröhlicher ich bin, desto mehr bin ich mit mir zufrieden. Und ich glaube, Ausstrahlung ist das Wichtigste.

»Die Schmerzen sind ganz schwierig zu beschreiben. Bei jedem ist das ganz unterschiedlich.«

Ich habe oft diesen Druckschmerz: Wenn das Gelenk anschwillt, habe ich das Gefühl, dass es gleich platzt. Und dann gibt es einen anderen Schmerz: Der fühlt sich an wie tausend Nadelstiche, die die ganze Zeit auf das Gelenk zielen.

»Ich hatte jetzt vier Monate lang eine Schulterentzündung.«

Und dann merkt man doch, wie oft man die Arme braucht: beim Zähneputzen, beim Haarekämmen, einen Zopf machen, irgendetwas aus dem Schrank holen. Das sind so ganz kleine Dinge, die wahnsinnig nervtötend sein können in so einem
Augenblick – weil sie Dich unglaublich anstrengen.

Ganz blöd ist, wenn man gesagt bekommt: Stell´ Dich nicht so an. Oder noch schlimmer, einem zu sagen: Das erfindest Du. Das ist der schlimmste Moment, den man sich im Leben vorstellen kann.

»Bewegung und Mobilisierung sind das A und O.«

Selbst wenn man Schmerzen hat: Man muss es versuchen, auch wenn es kleine Schritte sind. Wenn es das Knie ist, muss man durch die Wohnung laufen. Man muss etwas für die Gelenke tun, sonst werden sie steifer und steifer.

Ich habe kein Problem mit anderen Kindern gehabt. Dass die verstehen konnten, dass ich heute ›mal nicht spielen kann‹, wie man das so schön sagt.

»Ich hatte aber Probleme mit Lehrern.«

In der Schule wollte mein Sportlehrer nicht einsehen, dass ich zwar zwei Schritte laufen konnte, aber nicht über einen Bock springen – mit einer Knieentzündung!

Selbst in der Berufsschule, mit 19 Jahren noch, ist mir das passiert: Auch da wollte man mir partout nicht glauben, dass ich an Rheuma leide, obwohl ich einen Schwerbehindertenausweis habe.

»Manche glauben das ja nicht. Man sieht uns das Rheuma halt oft nicht an.«

Die meisten sind dann entsetzt und schockiert, wenn sie hören, woran wir so leiden. Aber es gibt auch Menschen, die wollen das nicht wahrhaben: ›Nein, das kann nur eine Oma haben.‹

»In Deutschland leben etwa 20 Millionen, die von Rheuma betroffen sind.«

Das ist also im Schnitt jeder Vierte, das muss man sich mal vorstellen! Sie können durch die Strassen gehen und abzählen: eins, zwei, drei, vier. Und der Vierte müsste es haben, weil es so viele verschiedene Krankheitsbilder gibt – über 100 Formen.

Es geht darum, dass wir gemeinsam etwas in der Gesellschaft verändern. Ich bin der lebende Beweis, dass auch Kinder und Jugendliche Rheuma bekommen können. Und darum finde ich es wichtig, dass man sich in der Rheuma-Liga engagiert.

»Für die Betroffenen ist es jedenfalls sehr wichtig, dass sie mit ihrer Erkrankung anerkannt werden. Und dafür setze ich mich ein.«

Zum Glück haben viele Respekt davor und sagen: ›Ich ziehe meinen Hut für Euch, dass Ihr so etwas macht.‹

Weitere Informationen zum Engagement von Karen Baltruschat unter www.rheuma-ichzeigsdir.de

Dieter Wiek
Dieter Wiek
Marion Rink
Marion Rink
Josef Röper
Josef Röper